Was ist der Unterschied zwischen Akupunktur und Akupressur?

Sie haben sicherlich schon mal von beiden Begriffen gehört und vermuten – zu Recht – dass es durchaus Gemeinsamkeiten gibt, wie der Name ja schon nahelegt. Oft werden die Begriffe Akupunktur und Akupressur sogar fälschlicherweise synonym verwendet. Allerdings steht hinter beiden Begriffen eine eigenständige, medizinische Disziplin.


Das Prinzip der Meridiane in der traditionellen chinesischen Medizin


Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) geht von der Existenz bestimmter Energie-Leitbahnen aus, welche in der Fachsprache als Meridiane bezeichnet werden. Hierbei wird von 12 Hauptleitbahnen ausgegangen und mehreren Neben-Meridianen, welche jeweils einem bestimmten Organsystem zugeordnet sind. Durch diese Meridiane fliesst die Lebensenergie (Qi). Ist der freie Fluss des Qi blockiert, reduziert oder sonst irgendwie aus dem Gleichgewicht gebracht, kommt es zu Symptomen und Krankheiten. Durch die Wiederherstellung des ungestörten du ausgeglichenen Flusses des Qi, wird der Körper, aber auch die Seele wieder gesund.


Um dies zu erreichen wird direkter Einfluss auf bestimmte Energiepunkte auf den Meridianen ausgeübt. Diese Punkte heissen Akupunkte und können sowohl durch Druck (Akupressur) als auch durch Einstiche mit feinen Nadeln (Akupunktur) beeinflusst werden.


Akupressur


Die Akupressur ist besonders beliebt und geeignet für Einsteiger in die TCM. Denn sie können hier die Wirkungsweise am eigenen Körper auf sanftere Weise erfahren, denn natürlich ist eine Art Massage mit Druck auf bestimmte Energiepunkte entspannender und weniger aggressiv, als das Einstechen der Nadeln, obwohl auch dies nicht weh tut.


Ein grosser Vorteil ist sicherlich auch, dass die Akupressur bis zu einem gewissen Grad selbst angewendet werden kann. Man lernt also im wahrsten Sinne des Wortes die Akupunkte aus erster Hand kennen.


Es wird davon ausgegangen, dass die Akupressur geschichtlich gesehen der Vorläufer der Akupunktur war. Die Akupunkte und Leitbahnen sind bei beiden Ansätzen absolut identisch.


Allerdings wird an der Stelle, wo bei der Akupunktur Nadeln eingestochen werden, bei der Akupressur für mehrere Sekunden Druck ausgeübt.


Die Akupressur soll bei einer Vielzahl von körperlichen Symptomen helfen, insbesondere:

  • Verspannungen
  • Muskel- und Gelenksverletzungen
  • Cronische Beschwerden des Bewegungsapparates
  • Rückenschmerzen
  • Schulter- und Nackenschmerzen
  • Damit verbundenen Kopfschmerzen


Akupressur und Akupunktur: Wo liegt also der Unterschied?


Interessanterweise beinhalten beide Begriffe das lateinische Wort acus = Nadel. Allerdings kommt im Falle der Akupressur das Wort premere = drücken hinzu, während bei der Akupunktur der zweite Teil des Wortes von dem lateinischen Wort punctio = stechen abgeleitet werden kann.


Bei der Akupressur wird somit ein gezielter Druck auf die sogenannten Akupressur Punkte ausgeübt – und zwar entweder direkt mit den Fingern oder Fingernägeln oder aber stumpfen Hilfsmitteln, welche nicht in die Haut eindringen können.


Bei der Akupunktur wird die Haut hingegen durchstochen – allerdings mit sehr feinen Nadeln, so dass diese Therapieform ebenfalls relativ schmerzlos ist.

  • Akupressur = Druck (stumpf; Finger, Instrumente)
  • Akupunktur = Stechen (spitz; Nadeln)

Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass die Akupressur bis zu einem gewissen Grad selbst angewendet werden kann. So gibt es beispielsweise bestimmte Akupunkte, die man selbst drücken kann, um Kopfschmerzen zu lindern. Problematisch wird es natürlich, wenn Akupunkte auf dem Rücken oder an andere für die Person selbst schwer erreichbaren Punkt beeinflusst werden sollen.


Bei folgenden Beschwerden kann man z.B. Akupressur problemlos selbst anwenden:

  • Akupressur gegen Wechseljahrbeschwerden
  • Akupressur des Unterleibs
  • Akupressur gegen schmerzende Fingergelenke
  • Akupressur gegen Herzjagen
  • Akupressur gegen Bluthochdruck
  • Akupressur bei Schwindel
  • Akupressur bei Nausea (Brechreiz)
  • Akupressur gegen Übelkeit
  •  Akupressur bei Sodbrennen
  • Akupressur bei Migräne
  • Akupressur bei Magen-Darm-Beschwerden

Es ist jedoch ratsam, sich die entsprechenden Druckpunkte und die Art der Massage, Richtung der Bewegung und Stärke des Drucks von einem Spezialisten zeigen zu lassen.

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