Was ist der Unterschied zwischen Krankengymnastik und Physiotherapie?

Krankengymnastik und Physiotherapie werden von den meisten Menschen umgangssprachlich gleichgestellt, grenzen sich aber durchaus in vielen Aspekten voneinander ab. Im nachfolgenden Artikel erklären wir Ihnen genauer, wo die Unterschiede zwischen beiden gesundheitlichen Maßnahmen liegen und wann sich welche Variante in Zürich, Genf oder Basel für einen selbst eignet.

Physiotherapie und Krankengymnastik Definition - was ist das genau?

Dass die beiden Begriffe häufig gleichgestellt werden, liegt wohl vor allem am Ursprung des Berufs. Denn eigentlich stammt der Begriff "Krankengymnastik" aus der Heilgymnastik, welche bereits im 17. Jahrhundert in Schweden existierte und erst später ihren Weg in die Schweiz fand. Heilgymnasten, die auch Krankengymnasten genannt werden, wurden schnell zu einer Berufsgruppe, deren Namen aber noch über viele Jahre hinweg nicht geschützt wurde. Wirklich an Bedeutung gewann der Beruf erst nach den beiden Weltkriegen. Schnell konnte festgestellt werden, dass verwundete Kriegssoldaten sich in kürzerer Zeit erholen konnten, wenn sie in den Lazaretten von Krankengymnasten behandelt wurden. Auch Menschen, die gerade eine Operation hinter sich haben, profitieren durch eine entsprechende Therapie. So entwickelte sich nach dem Krieg eine Art buntes Gemisch aus Heilgymnasten, Gymnastiklehrern, Masseuren und ähnlich ausgebildeten medizinischen Helfern, die sich alle als Krankengymnasten bezeichneten. Eine klare Regelung trat erst im Jahre 1959 im Zuge einer Gesetzesänderung ein. Der Beruf des Krankengymnasten wurde fortan klar geschützt und als fester Beruf definiert. In den nachfolgenden drei Jahrzehnten gab es immer wieder neue Verfahren, die vor allem mit der Physiotherapie zusammenhingen, so dass die Bezeichnung irgendwann von den eigentlichen Anforderungen des Berufsbildes abwich. Daher griff ab 1984 das sogenannte Masseur- und Physiotherapeutengesetz in der Schweiz.

Dauer Krankengymnastik und ihre Ziele

In erster Linie orientieren sich Krankengymnastik Übungen stets an einem medizinischen Befund bzw. an den Beschwerden des Patienten. Therapeuten befassen sich hiermit vor allem mit der Behebung von Funktionseinschränkungen und mit Schmerzen, über die der Patient klagt. Die wichtigste Rolle spielen in der Krankengymnastik die manuellen Fähigkeiten des Therapeuten, welche mit physikalischen Reizen kombiniert wird. Das können Strahlung, Wärme, Kälte oder auch Druck sein - stets mit dem Ziel, die Eigenaktivität des Betroffenen wiederherzustellen. Eine individuelle Behandlung wird für gewöhnlich gemeinsam vom Patienten und seinem Therapeuten zusammengestellt und hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Das Ziel der Krankengymnastik ist unter anderem, die physiologischen Reaktionen wiederherzustellen. Dazu zählt beispielsweise, den Stoffwechsel anzuregen, die Muskeln zu kräftigen oder auch die Selbstwahrnehmung zu optimieren. Auf diese Weise kann der Patient nach einer Weile wieder eigenverantwortlich mit seinen Einschränkungen umgehen und lernen, Beschwerden selbst zu lindern. Das genaue Ziel der Behandlung wird erst festgelegt, sobald ein medizinischer Befund vorliegt. Weitere Ziele sind unter anderem das Wiedererlernen verlorener manueller Fähigkeiten, die Optimierung des Gleichgewichtssinns, die Stärkung gewisser Muskelgruppen oder sogar die ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes. Es gibt eine große Vielfalt an Behandlungstechniken, aus denen Krankengymnasten wählen können. Dabei gilt es, jene anzuwenden, die am ehesten zur Persönlichkeit und der Symptomatik des Patienten passen.

Mit Krankengymnastik Rücken und weitere Beschwerden behandeln

Krankengymnastik Übungen eignen sich grundsätzlich für jede Körperregion und kann bei den verschiedensten Krankheitsbildern angewandt werden. Hier kommt es primär auf den gesundheitlichen Zustand des Patienten an. Auch außerhalb der Orthopädie und der Chirurgie können Krankengymnastik Übungen zum Einsatz kommen. Erkrankungen aus den Bereichen der Gynäkologie, der Inneren Medizin und sogar Multiple Sklerose sowie Parkinson lassen sich mit krankengymnastischen Übungen behandeln. Damit eine krankengymnastische Betreuung möglich ist, benötigen Patienten als Voraussetzung entweder ein vom Hausarzt ausgestelltes Privatrezept oder eine Heilmittelverordnung.

Die Ziele und Anwendungsbereiche der Physiotherapie

Prinzipiell verfolgen physiotherapeutische Anwendungen das Ziel, die Funktionsfähigkeit des Bewegungsapparats zu verbessern, zu erhalten oder auch wiederherzustellen. Gemeinsam mit dem Patienten legt der Physiotherapeut dabei kurz- und langfristige Ziele fest, die von unterschiedlichen Faktoren abhängen. Unter anderem spielen auch die Art der Erkrankung und das Alter eine Rolle dabei. Wenn ein Patient zum Beispiel an den Bandscheiben operiert worden ist, empfehlen sich als kurzfristige Ziele die Linderung starker Beschwerden oder auch die Stärkung der Rückenmuskulatur. Diese sorgt für eine Stabilisierung der Wirbelsäule und bietet einen guten Schutz vor einem eventuellen Rückfall. Auf lange Sicht hin sollen physiotherapeutische Anwendungen einem Patienten allerdings dabei unterstützen, seinem gewohnten Beruf weiter nachgehen und sich auch seinen Hobbys oder regelmäßigem Sport wieder widmen zu können. Personen, die einen Schlaganfall erlitten haben, profitieren beispielsweise kurzfristig davon, die Koordination und die Muskelkraft sowie -leistung wiederherzustellen. Der Patient soll auf diese Weise wieder ein Stück mehr Selbstständigkeit erhalten. Langfristig haben physiotherapeutische Anwendungen in diesem Fall meist zum Ziel, die Wahrscheinlichkeit einer Pflegebedürftigkeit zu reduzieren oder zumindest lange hinauszuzögern. Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder auch Parkinson schreiten mit der Zeit immer weiter fort und beeinträchtigen Betroffene nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Weil diese Erkrankungen nach einer Weile sogar die Nerven- und Gehirnzellen schädigen können, verschlechtern sich häufig auch motorische Fertigkeiten. Das Gehen fällt zunehmend schwerer, man zittert oder kann seine Bewegungen überhaupt nicht mehr wie gewünscht steuern. Handelt es sich um eine chronische neurologische Erkrankung, dann sind physiotherapeutische Anwendungen häufig eine langfristige, feste Stütze im Leben Betroffener. In regelmäßigen Therapiesitzungen lernt der Patient, Übungen selbstständig auszuführen und profitiert von Massagen, die Verspannungen und Schmerzen lindern. Darüber hinaus können auch Übungen der Muskulatur, der Koordination und der Beweglichkeit eine deutliche Besserung der Beschwerden und natürlich auch eine Steigerung der Lebensqualität mit sich bringen. Weiterhin ist es möglich, physiotherapeutische Anwendungen zur Prävention einzusetzen. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise bei jungen Menschen Haltungsschwächen zu korrigieren, damit diese später nicht zu einem ernsthaften Haltungsschaden werden. Diese Schwächen entstehen in der Regel dann, wenn die Muskeln nur ungleichmäßig oder auch unzureichend gefordert werden. Hier spricht man von einer sogenannten Dysbalance der Muskulatur. Wer oft und lange sitzt - wie beispielsweise im Büro - und sich dann in seiner Freizeit kaum bewegt, ist ein Risikopatient für Muskeldysbalancen. Bei diesen Personen erhöht sich dann auch das Risiko, chronische Rückenschmerzen oder einen Bandscheibenvorfall zu erleiden. Hier hilft eine gezielte Rückenschule dabei, eine falsche Haltung zu korrigieren und ernsthaftere Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen.

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